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Sektion Rollingen

Graf Konrad gründete am 6.7.1083 die Benediktiner Abtei Altmünster und dotierte sie mit reichen Pfründen und Besitztümern u.a. eine große Wiese in Rollingen an der Alzette.

Hier errichteten die Mönche die "Mënstermillen", welche wohl nach den Wirren des 30 jährigen Krieges immer mehr vom Verfall bedroht war und um 1800 die Arbeit einstellte. Vor diesem großen Krieg besaßen die Herrschaft Münster 15 Vogteien in Rollingen, nach dem Westfälischen.

Frieden (1648) nur noch 4. Während ein Teil von Rollingen der Abtei Münster gehörte, unterstand die andere Hälfte des Dorfes der Herrschaft Schmidtfeltz (Schönfels). Im 30 jährigen Krieg gingen von 5 leibeigenen Güter dieser Herrschaft 2 verloren.

Während der Beschlagnahmung der geistlichen Güter durch Gesetz vom 15 Fructidor an IV (1.9.1796) kaufte Frau DELOOS-BEVING aus Rollingen das sogenannte "Münsterland" dort selbst nebst dem "Kirchenland" das der Kapelle von Rollingen gehörte.

1656 hatte J. PIRET von St. ODE auf einer Wiese der Neumünsterabtei am Rollingerbach einen Hochofen errichtet. Die Rollinger Schmelz bestand aus einem viereckigem gemauertem Schmelzofen, kaum 5 m hoch und einem Wasserkraftwerk zum Getriebe der Stampfhämmer und der Gebläse. Das Wasserrad wurde vom Rollinger Bach aktiviert nebst zwei Quellen im Rollinger Wald. Hier wurde nur Roheisen hergestellt, etwa 378.000 Pfund pro Jahr.

Durch Heirat kam die Schmelz um 1708 an die Familie Blochausen, später an Baron de Dommartin, der sie 1845, zusammen mit der Eisenhütte in Berg (Colmar) an Wilhelm II von Holland verkaufte. Wegen der aufkommenden Konkurrenz im Süden des Landes und den technischen Erneuerungen im Hüttenwesen wurde die Rollinger Schmelz 1847 durch Baron von Ziegesar, Verwalter der königlichen-großherzoglichen Privatgüter in Berg abgetragen. 1827 wurde in der Nähe der Schmelz eine Lohmühle errichtet, die "Schnaufmühle", die später von der Familie Jaans bedient wurde. Eine andere Mühle, die Berschbacher Mühle, war bereits um 1235 bekannt und wurde im Laufe der Zeit von den verschiedensten Familien bedient. Sowohl die Rollinger Lohmühle als auch die Berschbacher Getreidemühle stellten den Betrieb gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ein.

In Rollingen wohnten während der Franzosenzeit drei Kommissare der Munizipalität des Kantons Mersch: J. Jacquier, auch beigeordneter Sekretär der Zentralverwaltung des Distrikts Luxemburg (1797), Fr, Lanternier (1798) und Henri Heuard (1800), der spätere Bürgermeister (1801-1802) und Friedensrichter (1802-1830) in Mersch. Als Bürgermeister von Mersch amtierte auch Notar Michel Clement vom "Schloß Berschbach" (5.9.1859-20.3.1867), der auch von 1841-1872 Deputierter des Kantons Mersch war. Langjähriger Deputierter unseres Kantons und Bürgermeister von Mersch war auch J. Nic. Gustave Wilhelmy von Rollingen (30.12.1890 - 27.12.1920) dessen Nichte, Juli Mischo, bekanntlich am 11.4.1897 unseren Nationaldichter Nikolaus Welter aus Mersch heiratete.

In Rollingen stimmten, laut dem Armenarzt von Dr. Johann Feltgen, nicht immer die hygienischen Verhältnisse (ungesundes, unsauberes Brunnenwasser), was wohl auch die hohe Sterbensquote anläßlich der Choleraepidemie von 1866 erklärt.

Am 27.1.1877 vermachte Antoinette Divora, Kusine und Miterbin von Notar Clement, der Sektion Rollingen die Summe von 12000 frs zwecks Gründung einer "Spielschule" in Rollingen- lange Zeit die einzige im ganzen Kanton Mersch. Auch die nach Plänen vom damaligen Bezirksingenieur und Architekten L. Hartmann erbaute Rollinger Kirche (1858), ein Kleinod im spätgotische Styl, steht auf einem von den Geschwistern DIVORA geschenkten Gelände. 1937 wurde das Innere der Kirche nach Plänen und Zeichnungen des bekannten Künstlers NOTKER BECKER von Maria Laach von dem deutschen Maler SEEMANN aus Koblenz neu ausgemalt.

Die erste Kapelle von Rollingen stammt aus dem Jahre 1735 und hatte 2 Patrozinien: die hl. Apollonia und die hl Kosmas und Damianus. Sowohl zur Kirche als zur Schule gehörten die Ortschaften Berschbach und Binzerath. Das Schulhaus wurde 1843 erbaut und führte sowohl eine Knaben - als auch eine Mädchenklasse. Als langjährige Lehrer wirkten hier die Herren Flammang und Aloyse Schiltz.

Das ehemalige "weiße Schlößchen" (Notar Clement, später Familie Winandy) wurde am 13.3.77 Sitz eines Blindenheims, nachdem das Anwesen der Blindenvereinigung durch die Witwe Winandy geschenkt worden war.

Rollingen ist heutzutage leider zu einem riesigen Wohnsilo mit einer Unzahl von Wohnblöcken verunziert worden und hat seinen ehemaligen Dorfcharakter gänzlich verloren.

 

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