Im Jubiläumsjahr 1939 entstand nach Plänen des Luxemburger Architekten und Urbanisten Henri Luja das Freiheitsdenkmal am "Krounebierg". Die Idee war vom damaligen Bürgermeister, Ed. Kraus, ausgegangen. Der Kostenpunkt der hohen Rundsäule mit der goldenen Krone betrug rund 120 000 Fr. Das Denkmal wies handgetriebene Dekorationen des Kunstschlossers Michel Haagen aus Luxemburg auf und zwar vier Bronze-Wappen, eine Krone, vier Eichenlaubbänder und eine Bronzetafel mit einer Inschrift des in Mersch geborenen Heimatdichters Nik. Welter. Im November 1940 wurde dieses Monument, das wegen der damaligen unsicheren politischen Verhältnisse, die schließlich zum 2. Weltkrieg führten, nicht eingeweiht worden war, von der deutschen Besetzungsmacht niedergerissen. Ein übrig gebliebenes Bruchstück im Vorfeld des heutigen Monuments erinnert uns noch heute an diese schwärzeste Epoche unserer Heimatgeschichte. In moderner Konzeption von H. Paul Luja entworfen wurde am 7. Juni 1959das neue, heutige Monument am "Krounebierg" enthüllt. Die große Tafel mit der Inschrift von Nik. Welter und den vier Bronzewappen, welche vor den gierigen Händen der Nazi-Schergen gerettet werden konnten wurden in den Sockel des neuen Monuments wieder eingelassen; daneben eine neue Platte mit den Worten des Reckinger Dichters Albert Elsen: "Wat 1940 zu hirer Scham Barbaren emgerass, hun 1957 eis Le'wt an Trei me' sche'n rem opgericht. De Bierg behitt, an de'wenn Fridd, eis Freihe'tskron, am Herz vum Letzebuerger Land. Dre't eis Gefohr, licht sie rem klor, vum he'gen Thro'n, an d'Se'l vu jidder Hémechtskand." Die feierliche Einweihung des Obelisken geschah im Beisein der Herren Minister Pierre Grégoire und Robert Schaffner durch Dechant Dr. Paul Kayser.
Zu der Kolonisierung der Römer gehörte es, ausgedienten Soldaten, höheren Rangs, für treu geleistete Dienste als besondere Vergütung Land anzubieten. Auf Einzelhöfen, Großbauern gleich, saßen sie demzufolge über das ganze Trevererland verteilt als zuverlässiger Bestandteil der Provinzbevölkerung. Dass Mersch zur Römerzeit besiedelt war, daran besteht kein Zweifel. Beim Pflügen und Graben im Ortsteil "Mies" kamen immer wieder Ziegelsteinreste und Tonscherben zum Vorschein. Im Jahre 1905/1906 wurde unter Leitung des Staatsarchitekten Karl Arendt dort eine ausgedehnte römische Villenanlage ausgegraben. Aus den vorhandenen Mauerresten ließ sich der Normaltypus einer Villa Rustica, wie er hier im Trevererland üblich war, rekonstruieren. Bemerkenswert ist die relativ gut erhaltene Heizungsanlage, - eine Art Warmluftheizung. Der Betonboden des 8 x 6 m großen Wohnzimmers ruhte auf 0,90 m hohen so genannten Hypokaustenpfeilern, die einen kellerartigen Hohlraum unter dem Hause bildeten. Ein Ofen aus Ziegelsteinen erwärmte den Fußboden. Mittels Tonröhren, welche in die Wände eingelassen waren, wurde die heiße Luft in die Wohnzimmer verbreitet. Auch wurden bei den damaligen Ausgrabungen vereinzelte Bruchstücke eines schwarz und weiß gemusterten Mosaikbelags gefunden, - dazu noch zahlreiche Fragmente einer auf Stuck ausgeführten Wanddekoration in leuchtenden Temperafarben, ferner Münzen , Spangen, Ringe, usw. Wie bereits erwähnt, vermutet man, dass diese Villa Rustica einem hohen römischen Offizier gehörte. Um das Jahr 400 ging die Römerherrschaft hierzulande allmählich zu Ende. Die Römersiedlung auf der "Mies" (Mies- Meix hergeleitet von mansus (manere) = Hof, Haus, Dorf) sank in Trümmern, da die neuen Herren, die Franken, die hochgelegte "Mies" nicht wieder aufbauten und sich lieber als Ackerbauer in den fruchtbaren Talgründen niederließen. Als im Jahre 1966 auf dem Plateau "Mies" eine größere Wohnsiedlung gebaut wurde, stieß man unweit der Römervilla erneut auf römisches Bauwerk. Das Luxemburger Staatsmuseum begann mit ausgedehnten Grabungen. Eine Mauer von etwa 100 m Länge kam zum Vorschein. Man vermutet, dass diese Ruinen, welche von gemauerten Wasserkanälen durchzogen sind, zu einem Schwimmbassin gehören, welches der Villa Rustica angegliedert war. Beide Ausgrabungen d.h. der letztgenannte Schwimmbassin und die Villa Rustica, welche später mit Mauerwerk und einem Ziegeldach vor weiterem Verfall geschützt wurde, sind dem Publikum zugänglich. Mersch wurde urkundlich erstmals 853 erwähnt. Aus dieser Zeit stammt auch unsere erste Pfarrkirche. Als dieselbe 1850 abgerissen wurde, fand man auf dem Michelsplatz, ihrem einstigen Standort, eine Unmenge von Münzen, die von Domitian bis zu Konstantin, also von 81-337 n. Chr. reichten, besonders der bruchstückhaft erhaltene Inschriftstein eines Militärtribuns und Priesters des Lenus Mars. Alle diese Fundstücke befinden sich wohlerhalten in unserem Staatsmuseum, wo sie der öffentlichkeit zugänglich sind und als eindeutige Beweise ehemaliger römischer Präsenz in Mersch gelten. Vielleicht war die Römervilla einstiger Wohnsitz des vorerwähnten Reitergemahls und Marspriesters, der hier seinen Lebensabend beschließen wollte.
1039 Der Heilige Theobald von Provins lebt als Einsiedler auf Eenelter. 1180 Erste urkundliche Erwähnung. Die wahrscheinlich in frühchristlicher Zeit erbaute Kapelle besaß das Recht am Tag nach „Kreuzerhöhung“ (15.September) einen Markt abzuhalten.
1607 Der Echternacher Abt Jean Bertels bestätigt, dass Eenelter einer der ältesten Märkte des Herzogtums Luxemburg ist. 1751 Einweihung einer neuen Kapelle.
1799 Versteigerung des Mobiliars im Zuge der Französischen Revolution. Die Kapelle ist bereits verfallen.
1802 Der Eenelter Markt wird nach Mersch verlegt (5.05.1802).
1897 Bau einer neuen Kapelle zu Ehren des Heiligen Donatus mit finanzieller Beteiligung der Einwohner aus Reckingen.
1996 Die Kapelle im heutigen Erscheinungsbild nach einer umfangreichen Restaurierung.
Chronologie par Roger Hilbert et Guy Pauly.
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Monument an die Verstorbenen
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 Das Totenmal vor der Merscher Pfarrkirche wurde am 6. Mai 1951 eingeweiht. Es ist ein Erinnerungsmal und Mahnungsmal zugleich zu Ehren der Kriegsopfer der Merscher Einwohnerschaft in den düsteren Stunden des 2. Weltkrieges: Die Namen der Bürger unserer Gemeinde die den Tod im Kazett, im Gefängnis, in der Deportation oder als Zwangsrekrutierte während der deutschen Besetzungszeit erlitten sind in goldenen Buchstaben in den beiden Tafeln des Totenmals eingraviert. Dies zeigt auch eine Gedenktafel in Rosagranit mit folgender Inschrift an : 1940 D'MIERSCHER HEMECHT HIRE KANNER DE' AM KAZETT, AN DER DEPORTATION ALS ZALDOT AN ARBECHTER FIR LETZEBURG HIRT LIEWEN GIN HUN 1945 Das Denkmal wurde nach Plänen des Architekt-Urbanisten Henri Luja von dem Unternehmen Nic. Decker aus Nommern errichtet. Zur Verarbeitung kamen 21 m3 Hausteine aus der "Carrières de la S.A. de Montport " in Ernzen. Die Stufen der 2 großen seitlichen Treppen und ebenso wie die Gedenktafel aus Rosagranit (Granit rose de la Clarté Bretagne), geliefert von der ehemaligen Firma Jacquemart aus Luxemburg. Letztere war auch zuständig für die eingravierten Buchstaben. Für die Verbreitungsarbeiten der Straße und die Schaffung einer passenden Vorgeländes des Denkmals war die Verwaltung von Ponts et Chaussées mit ihrem damaligen Kondukteur-Inspektor M. Engel zuständig. Den ursprünglichen Personennamen wurden im Laufe der Zeit, nach besserer Einsicht, einige Namen zugefügt.
Urkundlich wird Marisca (Mersch) erstmals am 1.4.853 erwähnt. In dieser Zeit schenkte Erkanfride nach dem Tode ihres Gemahls, des Grafen Nithardus aus fränkischem Geschlecht, Besitzers der frühmittelalterlichen Grundherrschaft mit befestigtem Herrenhof in Mersch, einen Teil ihrer Erbschaft der Reichsabtei St. Maximin bei Trier. Vom 10. Jahrhundert an war die vorgenannte Abtei und das Luxemburger Grafenhaus die eigentlichen Herren von Mersch. Um 1230 tritt der Begründer der mittelalterlichen Herrschaft und zugleich Stifter des hochadligen Frauenklosters Marienthal auf den Plan: Theoderich I von Mersch (1230-1239) seines Zeichens Truchsess der Gräfin Ermesinde von Luxemburg und Vogt der Abtei St. Maximin. In seiner Amtsperiode fällt auch der Bau der ersten Burg mit Graben, Wall und Palisaden, die wahrscheinlich auf den Grundmauern des alten Herrenhofe von Nithardus errichtet wurde. Nach seinem Tode trat sein Sohn Theoderich II (1239-1249) und nach dessen Ableben, sein Enkel Johann von Mersch (1249-1304) sein Erbe in Mersch an. Mit Johann erlosch der Mannesstamm des ersten Merscher Herrengeschlechts. Seine einzige Tochter, Hebela, heiratete Johann von Meilberg, ein Spross der mächtigen Rodenmacher Adelsfamilie, denen auch der Edelherrensitz Meilberg bei Diedenhofen gehörte. Das Wappen der Gemeinde Mersch rührt mit leichter Veränderung von den Rodenmacher her. Am 7.1.1325 übertrug Johann der Blinde seinem Vasallen Johann von Meilberg für treu geleistete Dienste die Hochgerichtsbarkeit über eine Vielzahl von Ortschaften, die in verschiedenen Meiereien eingeteilt wurden. Nach dem Tode von Johann von Meilberg-Mersch kam die Herrschaft an seine Nachkommenschaft. Ab 1411, als das Erbe an die 3 Töchter von Johann von Mersch aufgeteilt wurden, kommen die Adelsfamilien Kerpen, Brandenburg, Boland, Burscheid, Neuerburg und Metternich durch Heirat zum Zuge in der Herrschaft Mersch - im Klartext die Herrschaft Mersch war seit 1411 mehrherrig. Um 1571 gelang es Paulus von der Feltz durch Mitgift (er war seit dem 2.4.1571 mit Apollonia von Kerpen-Mersch, Witwe von Jean-Paul von Boland-Mersch, verheiratet), Kauf und Tausch die Alleinherrschaft in Mersch anzustreben. Die Burg selbst war zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich durch die Ereignisse im Sommer 1453, als burgundische Artillerie die Burg arg beschädigt hatte, verwüstet worden, -wie dies auch aus den Registern des Paulus von der Feltz zu erfahren ist, wenn er schreibt: "Dies ist ein altfränkisch Gebäude gewesen, welches seit Menschendenken verfallen, verbrannt und zertrennt ist worden, dermaßen, dass bloß die Hauptmauern um das Schloss sind geblieben." Nach Plänen der Baumeistern Peter Conrad von Bennvelt und Paulus Leiendeckers von Luxemburg wurde von den Eheleute Paulus von der Feltz und Apollonia de Kerpen ein neues Schloss gebaut. Die 3 m dicken Mauern des Bergfrieds wurden mit großen Fenstern versehen, im Erd- und Erstgeschoss wurden kunstvolle gotische Netzgewölbe an den Decken angebracht und im 2. Geschoss sorgte ein großer Kamin im Rittersaal für angenehme Wärme und komfortablen Aufenthalt. 1603 kam der Bauherr, Paulus von der Feltz unter bislang ungeklärten Umständen ums Leben und holländische Freischärler steckten das Schloss erneut in Brand. Provisorisch mit Stroh zugedeckt überdauert das Schloss den 30-jährigen Krieg und eine Belagerung der Franzosen anno 1681, ehe es in den Besitz der Familie Elter kommt. Ohne größere, bemerkenswerte Veränderungen der Bausubstanz vorzunehmen wird das Schloss von der Familie Elter als Landsitz wieder in Stand gesetzt. Spätestens seit 1685 dürfte der von Adlern flankierte und von der Grafenkrone überragte Wappen von Johann Friederich Graf von Elter, Gouverneur von Luxemburg, über der Schlosspforte angebracht worden sein. Als General der Artillerie und Träger des Goldenen Vliesses ließ er um das Wappenschild auch kriegerische Abzeichen wie Fahnen und Kanonen einmeißeln. 1717 lässt die Universalerbin Charlotte von Elter, Kanonissin des Dammenstiftes Ste. Marie in Metz, ihre elterlichen Wappen am Altar der restaurierten Schlosskapelle von Mersch anbringen. Durch Erbschaft gelangten die Liegenschaften in Mersch nach ihrem Tode an die hochadlige Familie Mohr von Wald (1740-1767) und zuguterletzt durch die einzige überlebende Tochter der vorgenannten Adelsfamilie durch Heirat an die Familie Reinach von Hitzberg. Deren Erbe Baron der Sonnenberg – von Reinach ließ am 1.3.1898 das Schloss samt dem Herrenland in Mersch versteigern. So gelangte die ehemalige adelige Grundherrschaft Mersch in bürgerlichen Besitz und zwar in Händen des Merscher Grossisten J.P. Schwartz-Hallinger und später, 1827, an den Gerichtsvollzieher Pierre UHRES-FABRITIUS aus Finsterthal. Letzterer ließ eine sachgemäße Restaurierung an dem Schloss vornehmen. 1938 wurde ein Teil des Schlosses zu einer Jugendherberge umfunktioniert und 1947 wurde in den Räumen der ehemaligen Oekonomiegebäude (1898 waren dieselben durch Brand zerstört, von J.P. Schwartz aber wieder neu erbaut worden) eine staatlich geleitete Haushaltsschule eingerichtet. Am 14.3.1957 verkaufte P. Uhres das Schloss mit seinem Bering an die Gemeinde Mersch, welche es am 29.8.1960 an den Staat weiter verkaufte. Durch Tausch mit dem von der Gemeinde geerbten Haus Servais gelangte es jedoch am 29.12.1988 wieder an die Merscher Gemeindeverwaltung, die das Schloss nun als Rathaus benutzt, nachdem sie das alte Gemeindehaus mit Datum vom 24.5.1993 verlassen hatte.
Der "Alte Turm" ist der ehemalige Glockenturm der uralten Michelskirche gegenüber dem Merscher Schloss, welcher nach dem Neubau der heutigen Merscher Dekanats- und Pfarrkirche teilweise abgerissen wurde. Der "Alte Turm" blieb der Nachwelt auf Wunsch der Königin Mutter Anne Palowna, Schwester des russischen Zaren Nikolaus I und Gemahlin von Wilhelm II, König von Holland und Großherzog von Luxemburg erhalten. Im Jahre 1844 hatte das königliche Paar die Ortschaft Mersch besucht, wobei der Zwiebelturm der alten Michelskirche die Königin stark beeindruckte, da er sie an die ähnlich kuppelgekrönten Gotteshäuser in ihrer fernen Heimat erinnerte. Sie bat die damaligen Merscher Ratsherren den Turm vor dem Abriss zu bewahren. Seitdem ist dieser Turm das Wahrzeichen von Mersch. Besonders auffällig ist die imposante, barocke Vorderfront. Über dem mächtigen Eingangstor prangt in Stein gehauen das von zwei Adlern gehaltene Wappen des Grafen Johann Friederich von Elter, Baron von Vogelsang, Herr von Bertrange, Tiercelet, Fels, Heffingen, Mersch, Gouverneur und Generalkapitän des Herzogtums Luxemburg und der Grafschaft Chiny. Mit Sicherheit ist anzunehmen, dass Graf Elter den Anstoß zum Bau eines steinernen Glockenturms gab, nachdem ein Brand im Juli 1706, den massiv hölzernen Glockenturm, der sich vormals als Dachreiter über dem Transept erhob, zerstört hatte. Eine lateinische Inschrift bestätigt diese Hypothese unter dem Steinsturz des Wappens, die in freier Übersetzung etwa lautet:" Der hochedle Graf von Elter, Ritter des Goldenen Vlies, Statthalter der Stadt und des Landes Luxemburg, gab den Befehl, mich zu erbauen, 1707. " Im unteren Sims lautet ein anderes Chronogramm:" Denario Parochiae Facta Sum (vom Geld der Pfarrei bin ich errichtet worden). In alter Zeit war die Pfarrgemeinde sowohl zum Bau als zum Unterhalt ihres Gotteshauses verpflichtet. Etwas höher, steht St. Michael, der Drachentöter und Schutzpatron der Merscher Kirche, in einer Nische. Als Erbauer dieses Glockenturms, wurde, einer alten Rechnung (datiert vom 25.3.1709) in unserem Pfarrarchiv zufolge, ein gewisser Johann Mitterecker seines Zeichens "königlicher Zimmermann der Stadt und Festung Luxemburg" ausgemacht. Der massive Turm mit seinen Eckverstärkungen misst 7 m im Geviert und erreicht mit dem 10 m hohen Kuppeldach die imposante Höhe von 40 m, eine etwa 4 m hohe Wetterfahnenstange nicht mit eingerechnet. Ehemals hingen in diesem Glockenturm zwei von der Reichsabtei St. Maximin bei Trier gestifteten Glocken: eine war 15 Zentner schwer und war dem heiligen Erzengel Michael geweiht, die andere wog 11 Zentner und hatte als Patronin die heilige Anna. Beide Glocken entfernte die französische Revolutionsarmee anno 1798 von dem Turm um daraus Kanonen aus ihnen zu gießen. Doch nachdem Uhrmachermeister Martin Straus aus Reimberg eine Turmuhr im Glockenturm angebracht hatte, stand den Merscher laut Gesetz eine Glocke zu und man erlaubte ihnen auf dem Glacisfeld in Luxemburg eine intakte Glocke abzuholen. Eine zweite Glocke, 506 kg schwer, wurde später, 1823, zusätzlich installiert. Der "Alte Turm" hatte im Laufe der Zeit mehrere Restaurationsarbeiten erlitten. Vormals waren an der Hinterseite des Kirchturms zwei aus der früheren Sakristei der alten Kirche herstammende gotische Fenster in das Mauerwerk eingesetzt worden, um die große Spitzbogenöffnung des abgerissenen Kirchenschiffes zu verschließen. Über diesen beiden länglichen Fenstern befand sich eingemauert eine sogenannte Almosenstiftungstafel aus dem 15. Jahrhundert (heute im Merscher Gemeindehaus aufbewahrt). Ein ähnliches Gegenstück ist hierzulande nicht bekannt. Dargestellt sind 6 Brote. Eine Inschrift im Rahmen dieser Tafel, die aus rotem Sandstein besteht, erklärt uns in Latein, dass beim Verkauf einer Wiese in Mersch, 5 Brote für die Armen und Wein für den Pastor ausgehandelt wurden. Dem Chronogramm zufolge hätte dieser Verkauf im Jahre 1471 stattgefunden. Dem Volksmund behagte diese Erklärung auf dem Spruchband nicht. Man dichtete die Tafel dem Ritter Ernst Fock von Hubingen, Mitherr der Herrschaft Reckingen, gestorben 1573, zu. Der in rotem Sandstein gehaltener Grabstein des Reckinger Schlossherren in Panzerkleidung ohne Visier, befand sich, nämlich gleich unter der Tafel, im Mauerwerk des "Alten Turms" eingelassen. So reimte sich das Volk den Sinn der ganzen Darstellung zusammen, der kraftvolle Ritter Fock von Hubingen hätte täglich 6 Brotlaibe, ebenso viele Seiten Speck nebst Wein verzehrt. Bei den letzten großen Renovierungsarbeiten in den 80er Jahren wurden die vorgenannten eingemauerten Gegenstände entfernt und die Spitzbogenöffnung durch ein großes, farbiges Glasfenster geschlossen. Erstmals ging in den Gemeinderatsberichten von 1833 die Rede vom Bau einer neuen Kirche, nachdem Monseigneur Pisani de la Gaude, Bischof von Namür, bereits 1824 mit Suspendierung des Gottesdienstes gedroht hatte, da er sich an Ort und Stelle von der Baufälligkeit der alten Kirche überzeugt hatte. Doch ein zehnjähriger Streit um den geeigneten Standort des neu zu erbauenden Gotteshauses verursachte den Tatbestand, dass die neue Merscher Kirche erst am 7.2.1850 dem Gottesdienst übergeben werden konnte. Wie bereits erwähnt blieb von dem alten Gotteshaus am Michelsplatz nur der "Alte Turm" erhalten, von welchem einst unser Theatermann Jos Berrens aus Mersch dichtete: "Da ihm die Kirche ward genommen, für die er sich geschaffen sah, fühlt er sich müde und benommen und wusst' nicht recht, wozu er da." Die geistlichen Autoren R. M. Stand und Jos Reuter, anerkannte Kunsthistoriker unseres Landes loben unseren "Alten Turm" als den bemerkenswertesten von allen erhaltenen mittelalterlichen Kirchtürmen des Landes, - das Wahrzeichen von Mersch.
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Pfarr- und Dekanatskirche
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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die alte Kirche am Michelsplatz altersschwach. Nach zehnjähriger Beratung über den Standort der neuen Kirche, wurden unsere Gemeindeväter sich endlich einig, die neue Kirche am Fuße des „Miesplateau“ zu errichten. Die Grundsteinlegung erfolgte im Beisein von Bischof Laurent am 24.6.1844. Nach Plänen des Luxemburger Provinzialarchitekten Theodore Eberhard war der Rohbau von den Unternehmern Norbert Metz aus Eich und Richard Wolter aus Strassen fertig gestellt worden. Als Modell unserer neuen Kirche stand die Kirche von Stenay zur Verfügung. Am 7.2.1850 wurde sie von Hochwürden Provikar N.Adames dem Gottesdienst übergeben. Die Konsekration erfolgte erst im Jahr 1868 unter Bischof J.J. Koppes. Das neue Merscher Gotteshaus besitzt die Aussenmaßen von 44.50m x 21.50m und ist nach Meinung vieler Luxemburger Kunsthistoriker das bedeutendste Bauwerk unseres Landes aus der Zeit des späten Klassizismus. Bezahlt wurde die Kirche hauptsächlich aus Geldherkommen von Kahlschlägen in den großen Wäldern der Gemeinde Mersch. Die Kirche besitzt einen monumentalen Vorbau dem eine breite Treppe vorgelagert ist, und weckt so die Erinnerung an einen antiken Tempel. Vier kannelierte dorische Säulen tragen den mit Rosetten und Widderköpfen geschmückten Triglyphenfries mit dem symbolisch strahlenumworbenen Auge Gottes – dem Sinnbild der göttlichen Allwissenheit und Omnipräsenz. In den seitlichen Nischen erkennen wir Steinbilder der Apostelfürsten Petrus und Paulus, angefertigt von dem holländischen Bildhauer Stracke, 1896. Zwei hohe schlanke Türme mit großen, rundbögigen Schallöffnungen und pilastergetragenen Giebelaufsätzen, gekrönt von achteckigen Laternen auf Flachkuppeln, welche mit mächtigen, schmiedeeisernen Kreuzen versehen sind, verleihen dem Gesamtbild der Kirche eine imponierende Würde und monumentale Wirkung, vor allem auch durch den bereits erwähnten eindrucksvollen Vorbau im griechischen Stil hervorgerufen. Auch die Innengestalltung ist sehenswürdig. Das Mittelschiff der Kirche ist mit einem imposanten Tonnengewölbe überdeckt, ähnlich auch die beiden Seitenschiffe. Sie ruhen auf einem kräftigen Gebälke, das von 12 ionischen Säulen getragen wird. Der Chor schließt mit einer formvollendeten Rundapsis. Der Innenraum erfuhr während dem Zeitraum von 1931-1939 eine künstliche Neubelebung nach Plänen und unter der Leitung des damals sehr bekannten Malermönchs der Abtei Maria Laach, Bruder Notker Becker O.S.B.( geb. 23.3.1883 in Mühlheim an der Ruhr, gest. April 1878 in der Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel) In jenen Tagen erhielt die Kirche u.a. einen neuen Fliesenbelag, eine neugestalltete Taufkapelle, einen mittels Wandmalerei ausgeführten Kreuzweg in den Seitenschiffen, zwei Seitenaltäre und vor allem einen neuen Hochaltar, reich an Kupferschmiedearbeit und farbigem Marmor. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Vorplatz der Kirche etappenweise verschönert. Die uralten Kastanienbäume wurden durch Trauerweiden ersetzt. Die alte Umfassungsmauer mit der hohen Treppe verschwand und machte einer schönen Bruchsteinmauer Platz. Am 6.5.1951 wurde daselbst auch ein Gedenkplatz der Opfer des 2. Weltkrieges eingerichtet. Neuerdings befindet sich auf dem Kirchengelände eine liebenswürdige Skulptur des Rollinger Bildhauers Serge Weis betitelt „Jesus, de Wée“. Infolge der neuen liturgischen Bestimmungen des 2. Vatikanischen Konzils wurden in den 80er Jahren im Chorraum der Kirche Umänderungen vorgenommen. Die breite prachtvolle Marmor-Kommunionbank zwischen Chor und Hauptschiff verschwand und ein neuer bescheidener Altar sollte den Priester näher an die Kirchengänger bringen. Die Emporeorgel wurde stillgelegt (vor kurzem, 1996, jedoch wieder in Betrieb genommen) und an ihrer Stelle am 13.12.1981 im Chorraum eine neue kleinere Orgel von Georg Westenfelder aus Lintgen eingeweiht. 2001 wurde die alte Orgel durch 2 Register erweitert und Palmsonntag 2002 geschah die Wiedereinweihung durch Dechant Ferdy Fischer. Das große Christuskreuz, im Chorraum hängend, stammt aus der Zeit als die Redemptoristenpatres A.Amherd und Sixtus Selder auf ihrer Missionsreise auch Mersch am 24.2.1856 besuchten. Unsere Kirche ist laut Aussage des geistlichen Kirchenhistorikers R.M.Stand „ im Aussenbau eine der vornehmsten des 19. Jahrhunderts in unserer Diözese, auch im Innern eines der liturgisch- künstlerisch einheitlichsten Kultusgebäude unseres Landes.“ Mersch hat eine lange Kirchengeschichte. Es war ein mächtiges Grafengeschlecht das im einstigen römischen Kulturraum den Lenus-Mars-Altar umstiessen ließ und an seiner Stelle eine Eigenkirche auf uraltem Kulturboden am heutigen Michelsplatz errichtete, die sie stolz „ Marisch ecclisia Mychaelis“ nannten.
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